Als Fünfzehnjähriger war Knut Kreuch 1981 unerlaubt über eine Leiter
in den gesperrten Mitteltrakt des Wechmarer Landhauses
Studnitz geklettert. Die prächtigen Malereien im dortigen
Festsaal hatten ihn damals so fasziniert, dass er sogar einen Brief an
Erich Honecker schrieb, um sie vor dem endgültigen Verlust zu retten. Im
Jahre 1999 konnte nun Knut Kreuch als Bürgermeister des acht Kilometer
südöstlich von Gotha gelegenen, thüringischen Ortes Günthersleben-Wechmar
den frisch restaurierten Rokokosaal im
Landhaus Studnitz wieder einweihen.
Das 1720 errichtete Gebäude ist nach dem Gothaer Hofmarschall Hans
Adam von Studnitz benannt. Er ließ es ab 1747 zu einer zweiflügeligen
Sommerresidenz umbauen, deren Mitteltrakt durch einen dreiachsigen Risalit
betont wird. Studnitz beauftragte auch den Gothaer Hofmaler Johann
Heinrich Ritter und die bekannte Stukkatorenfamilie Güldner mit der
Gestaltung des bezaubernden Rokokosaales.
Nach Studnitz' Tod im Jahre 1788 pachtete der Gelehrte Johann Lewin
Friedrich Clauss das Haus und leitete dort ein Forschungsinstitut der
Erfurter Universität. Clauss ist als Verfasser eines der ersten
landwirtschaftlichen Lehrbücher Deutschlands mit dem Titel „Versuch, die
glücklichen Lokale in Wechmar und ähnlichen Orten zu höchster Landeskultur
zu benutzen“ bekannt geworden. 1804 ging das Landhaus Studnitz in den Besitz
der Töpferfamilie Richter über, die dort Landwirtschaft betrieb. Der
kostbare Saal wurde seither als Körner- und Fruchtboden, später als Lager
genutzt.
Von Erich Honecker hatte Knut Kreuch seinerzeit keine Antwort
erhalten. Dennoch ließ er nicht locker und gründete zusammen mit anderen
Wechmarern 1982 einen Heimatverein, dem das Landhaus Studnitz seit
mehreren Jahren
gehört. Als Vorsitzender dieses Vereins wandte sich Kreuch 1988 an Rüdiger
Freiherr von Wechmar, einst Regierungssprecher Brandts, Botschafter in
London, Rom und bei der UNO, Mitglied des Europäischen Parlaments und
erster Deutscher Präsident der UN-Volksversammlung. Seine Vorfahren
durften im 11. Jahrhundert den Namen des Ortes annehmen, in dem sie bis
1461 das Sagen hatten.
Freiherr von Wechmar unterstützt den
Heimatverein, dessen
Ehrenmitglied er inzwischen ist, wo er nur kann. Er machte 1990 auch die
Deutsche Stiftung Denkmalschutz auf das wertvolle, aber vollkommen
desolate Landhaus Studnitz aufmerksam. Sie stellte bereits 1991 125.000 Mark
und in zwei weiteren Förderverträgen noch einmal insgesamt 210.000 Mark
für die Sanierung bereit. Das Land Thüringen und der Landkreis Gotha
beteiligten sich ebenfalls.
Der Ostflügel des Gebäudes war jedoch nicht mehr zu retten und musste 1991
abgerissen werden.
Die Sanierung des Westflügels und des Mitteltraktes sowie die
Restaurierung des
Rokokosaales
wären jedoch
noch lange nicht abgeschlossen, hätten die Mitglieder des Heimatvereins
nicht jedes Jahr 4.000 Stunden ihrer Freizeit investiert und wären nicht
2.200 Stifterbausteine verkauft worden.